Angedeutet haben wir es ja bereits in einem Beitrag hier auf der Seite. Nun aber wurde dieses Thema durch eine TV Sendung und Berichte in Zeitschriften recherchiert und wir wollen dieses Thema noch einmal aufgreifen. Immerhin fragen ja einige was es mit unserem Motto “Natur statt BIO” auf sich hat.

Sie sind bereit für Produkte mit BIO Siegel mehr zu bezahlen, als für herkömmliche Produkte?  Sie wollen, dass Tiere ein glücklicheres Leben haben? Pestizidfreies Essen und die gute Tat, unsere Umwelt zu entlasten um die gesunden zu lassen? Gegen all den pampigen Fraß aus der Industrie ist uns BIO aus Angst um unsere Gesundheit heilig geworden, so heilig das Kritik und Hinterfragen nicht erlaubt ist. Zur Freude der BIO Industrie und Großhändler. Denn diese verdienen sich dumm und dämlich an unserem Gutglauben – im Gegensatz zum idealistischen Kleinbauern.

 Gegen BIO sagt man nichts.

 Am 3. April 2011 flimmert es im NDR über die Schirme. Die Wahrheit sieht anders aus. Keine harmonische Tier“produktion“, kein Antiglobalisierungsprojekt, keine Gesundheit. Statt dessen weltweite Verschiffung von Rohstoffen, Materialschlachten, Milliardengewinne und wer rund ums Jahr BIO Eier will, bekommt diese aus Italien oder sonst wo her. Wussten Sie, dass Hennen im Jahr Schwankungen haben und nicht immer nur Eierproduzenten sind? Wenn ja, verlangen Sie nicht rund ums Jahr frische BIO Eier. BIO würde auch Kreislauf des Lebens und Jahreszyklen bedeuten. Aber will das der deutsche BIO Kunde?

Es existiert bis heute keine Studie die beweist, dass BIO Produkte unsere Gesundheit fördern – auch wenn uns die Werbung das vorgaukelt. Wie wir schon vor langer Zeit meinten ist es so, dass da wo eine Milliardenindustrie entsteht der Profit vorne dran steht und das idealistische hinten herunter fällt. Und mit dieser Meinung stehen wir nicht allein. Selbst der „BIO Papst“ Urs Niggli (CH) vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) räumt das ein.

Die Doppelmoral der Großhändler und Konzerne ist nicht gerade bescheiden. So werden  für zertifizierte BIO Betriebe jährlich abertausende Tonnen Kraftfuttermittel wie Mais oder Soja aus Osteuropa, Brasilien oder Südamerika importiert – rund 80% des Verbrauchs im Durchschnitt, bei Soja sogar 97 %. Und wer will schon die vielen BIO Labels alle noch kennen, die sich mit Hilfe allerlei Phantasienamen der Natur verpflichtet fühlen? So zumindest deren Werbung. BIO Industrielle machen entgegen ihrer Werbung in ihrer Zutatenliste Zugeständnisse. Es darf in den Produkten immer ein Teil der Zutaten enthalten sein, der nicht BIO ist. Machenschaften um sich vor „Billigkonkurrenz“  zu schützen sind dabei inbegriffen.

 Tiere

 Wer glaubt BIO Kühe stehen den ganzen Tag auf saftig grünen Wiesen, der irrt. Große Teile des Rindviehs verbringen ihre Zeit aus wirtschaftlichen Gründen im Massenstall – wo sie laut BIO suisse (Schweiz) sogar noch angebunden werden dürfen. Tiere sollen artgerecht ernährt werden, kann man in den Richtlinien lesen, was erlaubt, dass Rinder Soja, Mais oder Getreide verabreicht bekommen. Das ist keine artgerechte Ernährung, ist aber gut zur Steigerung von Erträgen wie Milch und Fleisch. Auch BIO muss sich der Marktwirtschaft unterwerfen. Kühe die sich wie früher von saftigen Wiesen ernähren bringen weniger „Ertrag“. BIO Milchwirtschaft wäre schlicht und ergreifend unrentabel, würde sie die Tiere in Ruhe und nach ihrem Gusto weiden lassen.

Aber auch Antibiotika sehen sie Tierchen, neben Impfungen und Kraftfutter ist das bestimmt natürlich, wenn die Krankheit oder Verletzung mit komplimentärmedizinischen Methoden nicht wirksam behandelt werden kann. Und … habe ich die Hormone schon erwähnt? In den Schweizer Richtlinien sind sogar „Enthornungen“ gestattet, zwar aus Sicherheitsgründen unter „bestimmten“ Voraussetzungen, wohingegen bei demeter das strikt verboten ist. Man sieht, die einen so – die anderen so.

Zum Thema Fleisch wäre noch die Frage offen; wieso ist eigentlich Nitritpökelsalz erlaubt? Ich sage es Ihnen, weil Fleisch ohne diese chemische Wunderwaffe „Absatz und Akzeptanzprobleme“ hätte. Pökelsalz ist für die Rotfärbung verantwortlich. Es geht also um Gewinn.

Da nutzen auch die hübschen Tierbilder auf den Verpackungen rein gar nichts. Niemand denkt auch daran, dass bei der Zucht von Legehennen die männlichen Küken sofort vergast , zermust oder anderweitig getötet werden. Lesen Sie beim Verein „die-tierfreunde.de“ genaueres dazu. Und wieso sollte ein BIO Schwein glücklicher sein, wenn ihm statt 0,65m2 1,9m2 in der Box zustünden? So ein Schwein hat keinen Anspruch auf Auslauf und grüne Wiese. Das Thema Kastration ohne Narkose rollen wir dabei am besten gar nicht auf. Zumindest soll damit 2012 Schluss sein.

Schwermetalle

Zugegeben, im Gegensatz zu herkömmlichen Obst und Gemüsen enthalten BIO Erzeugnisse kaum chemische Pestizidrückstände. Trotz aller Kritik an den Agrargiften gilt aber; eine Portion Pommes, bei 180 Grad gebrutzelt, ist wegen des darin entstehenden Acrylamids weitaus krebserregender, giftiger und erbgutschädigender als der monatelange Genuss pestizidbelasteter Normalsalate. Weswegen das kein Konsument wahrhaben will, ist ein Rätsel. (mysteries 12/11)

 Gespritzt

Entgegen der Vorstellung, bei BIO Anbau würde kaum gespritz und wenn, dann nur „Brennessellauge“, sieht die Realität ganz anders aus. Um den Schädlingen den Garaus zu machen wird gespritzt. Wirtschaftlicher Ertrag ist eben doch wichtiger, als weniger Ernte mit ggf. optischen „Mängeln“. Und Mangels Alternativen werden Schwefelpräparate ebenso wie hochgiftiges Kupfersulfat gespritzt. Dabei setzt heute kaum ein konventioneller Landwirt Kupfersulfate ein, es lässt Regenwürmer, Fische und Vögel verende und kann beim Menschen ebenso schwere Schäden hervorrufen. Dieses Sprühmittel ist ein Stoff, den wir auch nie wirklich aus den Böden herausbekommen. Das Bodenleben wird massiv geschädigt und es gibt Fälle, wo auf Höfen der gesamte Boden ausgetauscht werden musste.  Die großen Vereinigungen wissen um diese Doppelmoral und reden sich ihr Gewissen schön, indem sie behaupten, dass Kupfer ein natürlicher Stoff ist, der überall vorkommt. Genaue Zahlen über die Chemieeinsätze müssen die Verbände nicht offenlegen. Haben die Angst um ihre Rekordumsätze?

Soll da keiner kommen und das Kupfer niedlich reden. Auf dem Zettel der Herstellerfirma von Funguran, einem in der BIO Branche beliebten Spritzmittel, stehen ausdrückliche Warnhinweise drauf. Gesundheitsgefährlich und umweltgefährlich klingt nicht so nach glücklicher BIO Landwirtschaft.  Auch der Warnhinweis „nicht in das Grundwasser oder in die Kanalisation gelangen lassen, auch nicht in kleinen Mengen. Trinkwassergefährdung bereits beim auslaufen geringster Mengen in den Untergrund“ klingt nicht nach BIO Idylle. Wie kann denn ein Bauer beim Ausbringen dieses Produkts verhindern, dass kleine Mengen in das Erdreich gelangen? Gar nicht. Willkommen im BIOtraumland. Und was soll der Hinweis; „Wichtig für die Wirksamkeit von Funguran ist, dass ein möglichst lückenloser Belag die Pflanzenoberfläche bedeckt.“  Da beisst sich etwas selber hinten hinein. Man kann also, das wird durch Studien belegt, davon ausgehen, dass die langjährige Anwendung von Kupferpflanzenschutzmitteln insbesondere in Dauerkulturen vielfach ein geschädigtes Milieu der Bodenorganismen vorzufinden ist. Zurück bleibt die heile Werbewelt der BIO Großhändler, unsere Besorgnis um Gesundheit und Umwelt, der Wunsch nach schadstofffreien Produkten und das Unbehagen der Milliardenschwerden Industrie, die im Gegenzug zu vielen idealistischen Landwirten nicht aus Überzeugung, sondern nur aus Gründen der Profitmaximierung Massenware produzieren. Und wenn die Großhersteller namenhafter BIOprodukte ihre Sonnenblumenkerne Schiffsladungsweise aus China holen, bleibt die Ökobilanz gleich mit auf der Strecke und die Freundlichkeit derer Vertreter ist dahin, wenn man mal nachhakt.

Lokale Frischeprodukte werden in einem neuen Denken wieder eine größere Rolle spielen. Das ist gut und wichtig und stützt zudem wirklich regionale Zusammenhänge, im Gegensatz zu den multinationalen Konzernen die nur die Maximierung der Gewinne im Auge haben und deren Beruf keine Berufung ist, ganz anders als bei Sachsenkräuter – bei mir

Ihrer Jeannette Wenzel